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Kochen mit Köpfchen

Erfrischender Sommertrend „Switchel“

Das Getränk aus Apfelessig, Ingwer, Honig und Wasser ist in aller Munde und schwappt von Amerika langsam aber sicher in einer großen Trendwelle bis nach Europa über. Wir haben für euch den Ursprung des Switchels ausgegraben und auch die passenden Rezepte vorbereitet.

Karierte Hemden, Vollbart und Latzhosen – man kann den Hippstern nicht ganz absprechen, dass sie sich ihre Inspiration auch ein wenig auf Feld und Wiese bei Old McDonald und seinen Kollegen holen. Und jetzt sprudelt aus dieser Ecke auch schon der nächste Trink-Trend: Switchel. In seiner Urform ein Drink aus Wasser, Apfelessig und Ingwer.

Gesund und erfrischend ist er so ein Switchel, der schon den Farmern im 17. Jahrhundert auf den Feldern den Durst löschte. Insbesondere in Nordamerika, wo er in Großmutters Kochbüchern, zwar nicht unter den heute gängigen Namen wie Switzel, Swizzle oder Switchy vermerkt ist, sondern als Haymakers Punch. Ein Getränk also, das den Heuarbeitern in der Mittagshitze einen kühlen Kopf bescherte. Das Rezept ist simpel, die Zutaten auch und das Ergebnis: ein erfrischter Körper, Elektrolyt- und Mineralauffüllung inklusive.

Wobei die Gesundheitsargumente heute aller Wahrscheinlichkeit nach schwerer wiegen, als im Amerika des 17. Jahrhunderts, oder gar zu Zeiten des Ursprungs des Switchel in der Karibik oder auch in China. So genau weiß das keiner, wo der neue Wundertrunk seine Urquellle hat. Auch nicht wie gesund so ein Essig-Ingwer-Getränk wirklich ist. Sicher ist aber, dass die Zutaten für sich allesamt positive Effekte auf den Körper haben.

Switchel Variationen

Fit geswitchelt

So greift das regelmäßige Stamperl Apfelessig regulierend bei zu hohen Cholesterinwerten ein, und regt die Verdauung an. Natürlich sind im Essig auch die Vitamine und Mineralstoffe aus dem Apfel enthalten. Sprich also Beta-Carotin, Folsäure sowie Vitamin B und C. Auch bei Diabetes wirkt sich Apfelessig positiv auf den Blutzuckerspiegel aus. Und desinfizierend wirkt er darüber hinaus auch noch, der gute alte Apfelessig.

Nun besteht so ein feiner Hippster-Switchel aber nicht aus Apfelessig alleine. Was auch gut so ist, denn zum einen kann übermäßiger Essigkonsum dann doch Sodbrennen verursachen und auch der Miene tut ein kleines Aufbessern des Essigs mit Ingwer, Wasser und Honig oder Ahornsirup gut. Damit auch niemand ein saures Gesicht ziehen muss. Zudem ist der Ingwer ja wirklich schon ein knallgelber Evergreen in der Riege der Superfoods. Antibakteriell, gut gegen Übelkeit und ebenfalls anregend für die Verdauung. Was kann man mehr wollen? Naja, beispielsweise noch ein wenig Honig oder auch Ahornsirup, für die süße Note im Switchel. Honig enthält dabei als uraltes natürliches Heilmittel wichtige Antioxidantien für den Körper und der Ahornsirup steuert seinen Beitrag als magenberuhigender Süßebringer zu.

Von Vermont nach Brooklyn

Wobei der Ahornsirup im Switchel auch geografisch leicht zu erklären ist. Denn im 17. Jahrhundert waren es vor allem die Farmer aus Vermont, die sich am Feld an Ingwer, Essig und Co. erfrischten. Von hier stammen auch die Unternehmen, die auf der Welle des Switchel-Erfolgs dahinsurfen. Ganz vorne weg: Up Mountain Switchel. Ely Key und Garrett Riffle, beide in Vermont gebürtig, starteten 2012 mit ihrer Garagen-Switchelei. Denn die ersten Gläser (Switchel wird nämlich in Gläsern und nicht in Flaschen verkauft) die die beiden auf den lokalen Bauernmärkten unter die Leute brachten, wurden in Großmutters Küche zusammengemischt.

Der große Unterschied in der Rezeptur: Die Farmer damals hatten nur Zugang zu getrocknetem Ingwer; die Unternehmen Key und Riffle verwenden jedoch frischen Ingwer für ihre Switchel und kochen die Mixtur auf. So werden die Aromen besser extrahiert. Auch keine wirklich große Veränderung, wenn man nun also bedenkt, dass ein Getränk aus dem 17. Jahrhundert gerade weltweit als der neue Trend bejubelt wird. Und natürlich kann man das Trendgetränk auch ganz leicht selbst zuhause machen, das passende Rezept haben wir natürlich für euch parat:

Switchel Rezept

Inzwischen murmeln das die Hippster nicht mehr nur in ihren Bart, sondern rufen es in die Welt hinaus: Switchel erfrischt als Kaltgetränk, wärmt als Teegetränk und macht sich auch als Dressing am Salat, oder als Marinade für Meeresfrüchte oder helles Fleisch hervorragend. Der Verwendungszweck kann also auch je nach Bedarf, ge-switched, also gewechselt werden.

Das Gefühl, das das sauer-süße und leicht ingwerscharfe Kultgetränk in seiner Renaissance beim gesundheitsbewussten und up-to-date Genießer hervorruft bleibt aber das Gleiche, nämlich eine tolle Erfrischung die man im ersten Moment gar nicht erwartet. Auch, wenn der Switchel heute nicht mehr bei staubiger Feldarbeit erfrischt, sondern beispielsweise nach Sonnengruß, Hund, Cobra und Co. beim Yoga oder ganz gemütlich beim Picknick am See.

Nina Maduixa für Tante Fanny (26.04.2016)