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Kochen mit Köpfchen

Osterbräuche – Wenn ein Hase Eier bringt

Zu Ostern ist alles ganz anders: Hasen bringen Eier, Kinder frühstücken Schokolade und Kren kommt aufs süße Brot. Ein Blick hinter die Kulissen der heimischen Osterbräuche und die Erklärung wie Meister Lampe eigentlich zu seiner alljährlichen Pflichttour durch die Landen kam.

Der Osterhase wirft ein Auge auf uns

Nicht die Eigenschaft, dass so ein Hase schon recht flott ist, und so die Wahrscheinlichkeit, dass auch für jedes Kind ein Ei abfällt, hoch ist, hat dem Osterhasen seinen Job verschafft. Eine ganz andere anatomische Veranlagung ist dafür verantwortlich: Und zwar der, dass er keine Augenlieder hat. Also immer mit offenen Augen schläft. Und so dem Schlaf und damit auch dem ewigen Schlaf quasi ein Schnäppchen schlägt. Leicht spooky und daher verehrenswert. Passend für Ostern. So oder so ähnlich haben sich unsere Vorväter das wohl gedacht.

Nur weil er mit offenen Augen schläft, legt ein Hase aber trotzdem noch keine Eier. Diese wurden ihm Mitte des 17. Jahrhunderts untergejubelt. Manche meinen aus der Tradition heraus, das Osterbrot in Hasenform zu backen und darin ein Ei zu verstecken. Wobei der Osterhase im Gegensatz zu den bunt bemalten Ostereiern zeitlich gesehen ein junger Hüpfer, in den Reihen der österlichen Traditionen ist. Lange war es in Deutschland, in Westfalen und Hannover Aufgabe des Fuchses die Ostereier an das Kind zu bringen.

In der Schweiz erledigte der Kuckuck diesen Job, im deutschen Thüringen brachte der Storch zu Ostern Eier anstatt Kinder und in Schleswig-Holstein, Bayern und in Österreich legten die Hennen, zwar wie überall anders auch, die Eier. Die Ehre des Versteckens überblieb aber offiziell dem Hahn.
Als alleiniger Eierüberbringer setzte sich der Osterhase erst im 19. Jahrhundert durch. Beginnend in städtischen Gebieten. Weil so ein schokoladiger Hase nun einmal eine Ecke süßer anzusehen ist, als ein Schoko-Hahn. Und er noch dazu als Tier, das besonders fruchtbar ist (ein Hase kann bis zu 20 Jungen pro Jahr gebären) sowie seinen Nachwuchs auch noch im Frühling bekommt, als Inbegriff von Leben und Fruchtbarkeit gilt.

Osterhase

Zu Ostern kommt zuerst das Ei

Ebenso wie das Ei: Der Ursprung allen Lebens. Zumindest in der österlichen Betrachtungsweise kommt das Ei definitiv vor dem Huhn. Als Symbol für die Geburt und Wiedergeburt, und dafür, dass aus einem vorher scheinbar leblosen Etwas ein quicklebendiges Küken entschlüpfen kann. Nachdem sie zudem als „flüssiges Fleisch“ galten, waren Eier in der Fastenzeit natürlich auch tabu. Um sie haltbar zu machen wurden sie hartgekocht. Und um sie zu verschönern schon vor 1000 Jahren im alten Ägypten bemalt. Et voila, so war das Osterei da.

Dazu geht es in Österreich nicht ohne süßes Osterbrot, für das nahezu jede Familie ein geheimes Rezept hat. Komplettiert durch geselchtes Fleisch und vielleicht auch noch ein Selchwürstel. Ein bisschen Kren dazu und schon ist die süß-pikante Jause perfekt. Ob das Brot nun Osterhasenform hat, oder nicht.

Weihfeuertragen im Osten

Werfen wir einen Blick auf steirischen Osterbräuche: In der östlichen Steiermark muss man sich die wohlverdiente Osterjause zu früher Stunde erst verdienen. Zumindest die Jugend im Dorf, indem sie das Weihfeuer in die Häuser des Dorfes bringt. Ein Feuer, das in aller Frühe auf gesammelten Baumschwämmen in so genannten Gluttöpfen entzündet wird. Damit laufen die Jugendlichen dann von Haus zu Haus, um das Feuer für den heimischen Herd zu überbringen. Aber nur die schnellsten erhalten dafür süße Belohnungen. Entstanden ist dieser Brauch zu jener Zeit, in der jeder Haushalt einen Gluttopf besaß, um das Feuer niemals ausgehen zu lassen. Von Streichhölzern und Feuerzeugen war damals nämlich noch keine Rede. Nur am Karfreitag ließ man das Feuer absichtlich ausgehen, um es Samstag in aller Früh von den Dorfkindern wieder entzünden zu lassen.

Feuer als Kraftsymbol

Noch ein bisschen heller dürfen da die Osterfeuer, die landauf, landab in der Osternacht entzündet werden, lodern. Hintergrund ist die Funktion des Feuers als Symbol des Lebens. Mit dem Osterfeuer hieß man heute wie damals die frühlingshafte Sonne willkommen, um Fruchtbarkeit und Wachstum für eine reiche Ernte zu sichern. Denn spätestens in der Osternacht, sollte der Frühling über den Winter gesiegt haben. Die Natur erwacht nach einer langen Zeit der Ruhe. Soweit die Brauchtums-Theorie, die auch heuer wieder, exakt am 26. März praktisch überprüft wird.

Da springt der Funken über

Ist das Osterfeuer, gemäß der österreichischen Osterbräuche, entzündet und die Auferstehung gefeiert, erklingen auch die Kirchenglocken wieder, die es sich vorher der Legende nach – und zwar schon von Gründonnerstag weg – in Rom gemütlich machen. Einfach dorthin fliegen. In dieser Zeit müssen die Kinder wieder helfend einspringen. Und zwar lautstark. Mit Holzratschen, die ganz traditionell von Gründonnerstag bis Karsamstag, das Morgen- Mittag-, und Abendläuten ersetzen. Das soll nicht nur die Bewohner, sondern auch den Frühling aufwecken. Und auch die bösen Geister getrauen sich bei diesem Lärm keinen Schwebefuß in die Ortschaft zu setzen.

Colorful Easter Eggs in box with ratchet

Eierwerfen von Südtirol bis Bayern

Will man ganz auf Nummer sicher gehen, wirft man in Südtirol noch ein Ei über sein Dach. Das bringt Glück. Sagt man. Oder man lässt es gleich den Hang hinunter kugeln. Zumindest macht man das in Bayern so. Das Ei in den Wollsack und schon kann es losrollen. Das Osterei, das zum Schluss noch heil ist, gewinnt den Rollwettbewerb und bringt seinem österlichen Besitzer Glück.

Die österreichische Version davon passiert im Sitzen, am Jausentisch: Eier pecken. Bei dem Ei auf Ei geklopft, auf die Probe gestellt wird, wer die härteste Eierschale hat. Dabei gibt es eigentlich keine Verlierer. Denn derjenige mit dem gebrochenen Ei, kommt schneller zum Genuss, der andere freut sich über die harte Schale und den davon-getragenen (und nicht wie in Bayern gerollten) Sieg.

Bei so vielen glückbringenden und auch lustigen Traditionen rund um das Osterei, bleibt also nur zu hoffen, dass der Osterhase auch heuer wieder fleißig brütet und austeilt. Sollte ihm der Hahn nicht doch nach langer Zeit wieder einmal zuvor kommen.

Nina Maduixa für Tante Fanny (21.03.2016)