Textgröße:
Minus icon
zurücksetzen
Plus icon

Kochen mit Köpfchen

Kein Winterschlaf für Vitamine

Die Tomatensaison und blühende Marillenbäume lassen noch ein wenig auf sich warten. Das ist aber zum Glück kein Grund im Winter auf saisonale und heimische Vitaminlieferanten zu verzichten, denn nur mit Vitaminen kann man Schnupfen & Co. die kalte Schulter zeigen.

Zur kalten Jahreszeit landen weit weniger Vitamine aus frischem Gemüse auf unseren Tellern als im Sommer, wenn der Garten vor Salat und Co. nur so strotzt. Dabei sind Vitamine und Nährstoffe gerade jetzt wichtig. Damit wir unser Immunsystem richtig stärken und der hartnäckige Schnupfen erst gar keine Chance hat.

Da gäbe es beispielsweise die Rote Rübe – ein Klassiker der hiesigen Winterküche und dabei genauso herrlich schmeckend, wie sie rot ist. Achtung bei der Zubereitung der frischen Rübchen – die färben nämlich ganz schön. Und das nachhaltig. Diese kleine Hürde umgangen, kann man sich aber nicht nur auf feinerdige Geschmackserlebnisse – beispielsweise als Winter-Caprese mit Mozzarella und ein wenig Kren – sondern auch auf eine ganze Fuhr an Kalzium, Magnesium, Vitamin C und auch Eisen freuen. Das stärkt das Immunsystem und auch am Teller macht der rote Farbtupfer, möglicherweise in Form einer Rote Rüben Pizza, eine gute Figur – für Immunsystem und Auge.

Wer nicht immer rot sehen will, für den kann es neben roten Rosen auch Rosenkohl (Kohlsprossen) regnen. Denn der sieht nicht nur putzig aus, sondern versorgt den Körper darüber hinaus auch noch mit einer Menge Vitamin B. Und das schlägt sich positiv auf unser Nervenkostüm. Wenn die Temperaturen also wieder einmal gehörig an der Laune knabbern, dann schnell ein paar süße Rosenkohlkügelchen in der Pfanne geschwenkt, mit Speck und Butter verfeinert und schon ist alles wieder im grünen Bereich.

Karotten sind die ewigen Adabeis unserer Küche und werden daher oft unterschätzt. Dabei enthalten sie eine Menge an Carotinoiden, die der Körper in Vitamin A umwandelt. Dieses wiederum unterstützt unsere Sehkraft sowie das Immunsystem. Damit aber noch nicht genug – denn abgesehen davon, dass die Karotte – von der klassischen orangen Wurzel bis hin zur violetten Urkarotte für bunte Lichtblicke am winterlichen Teller sorgt, hat sie auch geschmacklich einiges zu bieten. Und zwar von der Suppe, über eine Karotten-Quiche bis hin zum saftigen Kuchen für Naschkatzen.

Der nächste Top-Star auf unserer Bucket-List, die uns fit und munter durch den Winter bringt ist eine tolle Knolle namens Lola, Gigant oder Topstar. Allesamt Topinambursorten, die ihrem Namen alle Ehre machen. Denn nicht nur, dass Topinambur gigantisch mehr Ballaststoffe als die Kartoffel zu bieten hat, mit der sie oft verglichen wird, sie enthält auch noch einen hohen Anteil an Eisen, Kalium und Kalzium. Das macht sie zum Topstar unter den Knollen, die an frostfreien Tagen das gesamte Jahr über geerntet werden kann. Bis sie den Garten im Frühjahr wieder gelb erleuchten lässt, ganz so wie ihre Verwandte die Sonnenblume.

Eine Verwandtschaft, die man auf den ersten Blick auch nicht vermuten würde, ist die von Narzisse und Knoblauch. Zur Familie zählen auch Bärlauch und Schnittlauch. Aber nur der Knoblauch ist aufgrund seiner langen Lagerfähigkeit auch am winterlichen Gemüseteller ein echter Bringer. Geerntet wird er im Juli und August. Wer ihm aber einen dunklen, kühlen und nicht allzu feuchten Platz angedeihen lässt, der darf sich das ganze Jahr über, über heimischen Knoblauch freuen. Und damit auf anitoxidative Wirkung, sowie die Vitamine C und K. Außerdem hilft Knoblauch nachweislich Cholesterinwerte zu senken. Die Wirkung gegen Geister und den bösen Blick auf die man im Mittelalter schwor ist allerdings nicht wissenschaftlich belegt.

Zwar keinen Verwandten, aber einen absoluten Traumpartner zum Knoblauch – und vielleicht auch noch zur gekochten Topinambur-Knolle gibt der Vogerlsalat ab. Sind die Winter nicht allzu streng, lässt der feine Rapunzelsalat sich das gesamte Jahr über aus der Erde zupfen, um in Folge am Teller insbesondere für eine gehörige Portion Eisen zu sorgen. Dieses ist wiederum essenziell für den Sauerstofftransport im Blut. Wer an Eisenmangel leidet, der fühlt sich schlapp und müde – darum her mit den Eisenlieferanten, wie dem gemeinen Feldsalat – so sein Name in den deutschen Gefilden. Damit wir vogelfrei über die schneebedeckte Wiese springen können, oder auch einfach genussvoll einem winterlichen Salat mit Topinambur, Knoblauch und Speck frönen können. Hat man sich einmal für dieses Menü entschieden, so empfiehlt es sich den Salat bald aufzubrauchen. Denn ist er einmal aus der Erde so machen die Blätter rasch schlapp. Ist die Zeit doch wieder einmal zu schnell vergangen, so hilft ein kurzes Bad im Eiswasser um die Blätter, und in Folge uns, wieder knackig zu machen.

Komplettiert wird die Vitamin- und Nährstoffpalette für kalte winterliche Tage vom Grünkohl. Damit ist unser Körbchen vitamintechnisch perfekt gefüllt. In Amerika schwört man heute auf das neue Superfood in grünen Smoothies und Co. Ein Wundermittel und Top-Lieferant von Beta-Carotin, Vitamine A, C & K und Kalzium, der eigentlich gar nicht so neu ist. Sondern in unseren Breitengraden zu den ultimativen Klassikern der Winterküche zählt. Das macht auch Sinn. Denn Grünkohl unterstützt durch seine geballte Ladung an Vitaminen und Antioxidantien das Immunsystem, verbessert die Blutqualität, beugt Entzündungen vor, und stärkt das Herz-Kreislauf-System. Ein Tausendsassa der winterlichen Gemüseküche, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Auch wenn man auf den ersten Blick also meinen könnte, die heimische Gemüselandschaft hat sich in den Winterschlaf verzogen. Man muss doch nur ein bisschen graben – in Rezeptbüchern und im Garten – und schon hat man ein Potpourri aus Roter Rübe, oranger Karotte, weißem Knoblauch und grünem Kohl vor sich, das auch graue Wintertage wieder bunt und genussreich macht. Und so kommen auch die Vitamine im Winter auf den Teller.

Nina Maduixa (21.01.2016)