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Kochen mit Köpfchen

10 Europäische Rebsorten abseits von Chardonnay und Co.

Kultur, Genuss, Gesellschaft, Biologie und Geschichte fließen in einem Glas Wein zusammen. Cabernet Sauvignon und Co. sind die Lokalmatadoren unter den Rebsorten. Doch hast du schon einmal etwas von Rotem Veltliner gehört, und aus welcher Rebsorte wird schnell noch der frisch prickelnde Prosecco gekeltert?… 10 europäische Rebsorten, die nicht jeder kennt im Check.

Chenin Blanc – Ein Wein für die Ewigkeit

Mancher erkennt ihn am Geruch nach nassen Wollsocken. Und auch wenn dieses Erkennungszeichen nicht gar so appetitlich anmutet, so ist Chenin blanc eine großartige Rebsorte, die ihre Genialität für viele im Verborgenen hält. Heimisch im Loire-Tal punktet diese alte französische Rebsorte, mit einer hohen Säure, die sie ewig haltbar macht. Die Tuffstein-Böden tragen ihren Teil zur interessanten Rebsorte bei, in den Höhlen aus Tuffstein, reift der Chenin Blanc oft jahrzehntelang zum bis dato unbekannten Weinschatz heran.

 

Alvarinho – Spritziges aus Nordportugal

Portugal ist reich an Rebsorten. Die außerhalb Portugals leider oft nur die Brasilianer richtig aussprechen können. Diese Problematik macht es den Weinen des Landes oft schwer. Dabei hat es der Vinho Verde, übersetzt „Grüner Wein“ im Verhältnis noch relativ einfach. Der leichte Weißwein aus dem Norden Portugals wird aus der Rebsorte Alvarinho gewonnen und steht für Erfrischung. Man kennt ihn ob seiner Lebendigkeit auch als Riesling Portugals oder auch Spaniens, denn auch an Spaniens galizischer Küste im Nordwesten sorgt diese weiße Rebsorte mit ihrer Frische für Furore. Verwandt sind sie zwar nicht der Alvarinho und der Riesling, doch Brüder in der Säure und Feingliedrigkeit, wie Fans behaupten.

Roter Veltliner – Die Komplementärtraube zum Grünen

Derselbe „Nachname“ und trotzdem nicht verwandt… Auch wenn man es vom Namen her glauben könnte – der Grüne sowie der Rote Veltliner teilen keine gemeinsame Kinderstube. Dennoch steht der Rote Veltliner ein bisschen im Schatten unserer Helden-Rebsorte in Österreich, dem Grünen Veltliner. Schließlich ist der Hektaranteil mit 0,4 Prozent ja auch ein wenig niedriger als die des Grünen Veltliners an der österreichischen Gesamtrebfläche. Hier sind es immerhin knappe 30 Prozent. Hat man ihn dann trotzdem einmal im Glas punktet der Rote Veltliner mit feinen blumigen Aromen im Gegensatz zur Würze, die man dem Grünen Veltliner oft nachsagt. Der rote Veltliner ist eine Rarität und eine Diva im Weingarten, die sich wenn man sie richtig behandelt, von ihrer feinsten Seite zeigt.

 

PIWIs – Die Gallier im Weingarten

Was der Muskateller kann, kann der Muscaris schon lange. Muscaris ist eine der vielen PIWI-Rebsorten, die die Weingärten aufmischen. Der süß anmutende Spitzname steht dabei für pilzwiderstandsfähig und kommt damit mit weit weniger Behandlungen gegen Pilzbefall im Weingarten aus, beziehungsweise strotzt schlechtem Wetter schlichtweg besser. Dennoch ist die Aromatik dieser Trauben eine eigene und so spalten PIWIs die Geister. Fest steht jedenfalls: Mitreden kann nur, wer auch probiert hat.

 

Malvasia – Der antike Adabei

Wer im Sommer manchmal über die österreichische Grenze nach Istrien fährt, dem wird Malvasia, beziehungsweise Malvasija ein Begriff sein. Denn sie ist die meistangebaute weiße Rebsorte im Norden Kroatiens. Stammt aber eigentlich aus Griechenland und ist so gut wie in allen Mittelmeerländern vertreten. Manchmal bezeichnet der Name verwandte Rebsorten und manchmal komplett unterschiedliche. Manchmal weiße Trauben, und manchmal rote. Wobei meistens handelt es sich schon um Verwandte der griechischen Rebsorte, die in der Antike über den Seeweg in Mitteleuropa heimisch wurde. Auch der süßeste Stil des Madeira, der Malmsey wird aus Malvasia gewonnen. Malvasia ist also ein echter europäischer Adabei, der bei genauerem Hinsehen eine ganze Bandbreite an feinen Weinstilen liefert.

Grenache Blanc – Rote Traube ganz in Weiß

Grenache, oder auch Garnacha genannt, ist in den südlichen europäischen Gefilden recht bekannt und verbreitet. Weniger bekannt ist, dass die rote mediterrane Rebsorte auch eine weiße Schwester hat: Grenache Blanc oder Garnacha blanca. Ursprünglich aus Spanien stammend, spielt die Traube insbesondere in Südfrankreich, im Gebiet Châteauneuf-du-Pape eine bedeutende Rolle. Auch in Rousillon möchte man nicht auf die nach reifen gelben Früchten schmeckende, gut mit Holz harmonierende Rebsorte verzichten.

 

Chasselas – Der Schweizer Traubenstolz

Was dem Österreicher der Grüne Veltliner ist dem Schweizer der Chasselas. Wobei nicht ganz, denn während der Grüne Veltliner in Österreich autochthon, also aus dem Land stammend, ist, hat Chasselas, oder auch Gutedel genannt, eine lange Reise hinter sich. Genau weiß man nicht woher diese weiße Rebsorte stammt, man munkelt Ägypten. Andere behaupten wieder, dass sie doch aus dem Alpenraum stammt. Fest steht jedenfalls, dass die Traube heute insbesondere in der Westschweiz fruchtige Weißweine liefert. Und die Schweizer sind sich sicher: Kein Wein passt besser zu Raclette und deshalb ist es wichtig, dass es Chasselas in der Schweiz gibt.

 

Lemberger – Ein Wein mit vielen Namen

Diesen Wein kennen zwar die meisten, doch nicht unter seinem deutschen Decknamen. In Deutschland residiert der uns bekannte Blaufränkisch nämlich als Lemberger, in Ungarn als Kékfrankos und in Italien als Franconia. Die feine Rotweintraube wurde von so manchem auch schon als Pinot Noir des Ostens bezeichnet, da sie eine einzigartige Würze mitbringt und den Boden im Wein sehr gut widerspiegelt. Den Namen Lemberger verdankt sie der Stadt Limberg, heute Maissau in Niederösterreich, von wo aus die Rotweinsorte im 19. Jahrhundert nach Deutschland gebracht wurde.

Furmint – Liebkind aus Ungarn

Sie ist der weiße Nationalstolz der Ungarn und eine überaus feine, oftmals unterschätzte Rebsorte: Der Furmint. Manche kennen ihn vielleicht als Bestandteil des geschätzten ungarischen Süßweins Tokaj. Doch auch trocken ausgebaut, ergibt diese Rebsorte bemerkenswerte Ergebnisse, denn ihr Wein zeichnet sich durch eine erfrischende Säurestruktur, sowie Noten von Honig und oftmals sogar einem Hauch Kamille aus. Auch mit dem Fass, also in Barrique ausgebaut, verträgt sich die Rebsorte sehr gut. Denn dieses verleiht dem Wein Struktur und Körper.

 

Glera – Die Essenz des Prosecco

Aus welcher Traube wird eigentlich Prosecco gemacht? Der Prosecco-Traube? Bis 2009 wäre das die richtige Antwort gewesen. Seit der Schaumwein Prosecco allerdings gebietsgeschützt ist, die Traube aber überall angebaut werden darf, kennt man die Prosecco-Traube als Glera. Auch wenn das Hauptanbaugebiet immer noch der Veneto, also die Heimat des Prosecco ist. Als Stillwein ausgebaut ist Glera ein relativ neutraler Weißwein, der, wenn er in seine Rolle als Prosecco schlüpft, schon so manche Terrassenparty mit prickelnden Momenten versehen hat.

 

Doch egal für welchen Wein du dich entscheidest, Flammkuchen passt einfach immer dazu ;).

 

Nina für Tante Fanny (28.08.2017)